Grazer Nierenexperte will mehr Spitalsbetten

Zu spät diagnostiziert und therapiert sowie zu wenige Spitalsbetten für eine optimale Versorgung: Der Grazer Nierenspezialist Alexander Rosenkranz fordert Nierenfunktionstests im Rahmen der Vorsorgeuntersungen sowie mehr Spitalsbetten.

Univ. Prof. Dr. Alexander Rosenkranz: "In der Steiermark gibt es 750 Dialyse-Patienten"

Univ. Prof. Dr. Alexander Rosenkranz: „In der Steiermark gibt es 750 Dialyse-Patienten“

Der Leiter der Abteilung für Nephrologie am LKH Graz zeigt sich um die Versorgung von Nierenpatienten in Österreich und der Steiermark besorgt: Er halte eine Erhöhung der Bettenzahl für Patienten mit nephrologischen Erkrankungen für „dringend erforderlich“, so Rosenkranz im Vorfeld der Jahrestagung der Gesellschaft für Nephrologie und Gesellschaft für Hypertensiologie am 7. September in Graz.

„Eine Frage des Lebensstils“

Die Experten gehen davon aus, dass jeder zehnte Erwachsene in Österreich unter einer Nierenunterfunktion leidet; in der Steiermark gibt es 750 Dialyse-Patienten, allein 400 werden im LKH Graz betreut.

Die Steiermark hat damit um ein Drittel mehr Nierenpatienten als andere Bundesländer, betont Rosenkranz: „Meiner Meinung nach, ist das eine Frage des Lebensstils, besonders der Bewegung. Ich glaube, Tiroler essen genauso viel wie Wiener – um die Steirer hier heraus zu lassen und niemanden zu beleidigen, und ich habe das als Wiener in Tirol immer gesagt – aber der Unterschied ist, dass der Wiener gleich über die Straße geht und ins Wirtshaus fällt, während der Tiroler vorher zwei Stunden auf den Berg geht.“

Oft unbemerkt

Ein Problem bei Nierenerkrankungen ist, dass sie oft unbemerkt bleiben: vom Patienten, weil es nicht weh tut, von den Medizinern, weil Nierenpatienten oft unter anderen Erkrankungen wie Lungenentzündung erfasst sind – daher bekommen aber auch Versicherer und Gesundheitspolitiker falsche, weil zu niedrige Patienten-Zahlen.
Mehr Aufmerksamkeit den Nierenerkrankungen

Rosenkranz plädiert nun für verstärkte Aufmerksamkeit für Nierenerkrankungen: „Es wird eigentlich die Nierenfunktion in der Vorsorgeuntersuchung nicht angeschaut, und deswegen wird es dann auch einfach nicht erkannt, dass bereits eine Nierenfunktionseinschränkung vorliegt. Wir hatten in Alpbach jetzt eine Diskussionsrunde mit der Sozialversicherung, und da wird jetzt auch definitiv daran gearbeitet, auch die Nierenfunktion einzubringen.“

Um die steirischen Nieren-Patienten richtig versorgen zu können, fordert Rosenkranz eine Aufstockung der Nierenpatienten-Betten im LKH von 34 auf etwa 40 sowie ein zweites Nierenzentrum in der Obersteiermark.

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